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GIMP-Lücke: Präparierte PSD-Datei kann Code ausführen

17. September 2026 durch
GIMP-Lücke: Präparierte PSD-Datei kann Code ausführen
Tom Ziegler

GIMP verarbeitet Photoshop-Dateien im PSD-Format – und genau dort liegt eine sicherheitsrelevante Schwachstelle. Ein entfernter, anonymer Angreifer kann eine speziell präparierte PSD-Bilddatei so aufbauen, dass GIMP beim Erzeugen einer Vorschaubild-Miniaturansicht fehlerhaft mit eingebetteten JPEG-Daten umgeht. Die Folge kann ein Absturz der Anwendung sein, also ein Denial of Service. Kritischer ist: Unter passenden Umständen kann der Fehler auch zur Ausführung von beliebigem Programmcode führen. Betroffen sind damit vor allem Nutzer, die PSD-Dateien aus fremden Quellen öffnen oder von GIMP verarbeiten lassen.

Der Angriff steckt im Bildformat

PSD-Dateien sind im Alltag vieler Kreativ-Workflows üblich, weil sie aus Adobe Photoshop stammen und Ebenen, Vorschaubilder sowie weitere Metadaten enthalten können. GIMP unterstützt dieses Format, damit sich Photoshop-Dokumente auch ohne Photoshop öffnen und weiterbearbeiten lassen. Genau diese Kompatibilität macht den Fehler relevant: Der Angriff nutzt keine klassische Anmeldung, kein Passwort und keinen offenen Dienst aus, sondern eine Datei, die wie ein Bilddokument aussieht.

Die Schwachstelle entsteht beim Erstellen einer Miniaturansicht. GIMP liest dabei Werte aus einem eingebetteten JPEG-Header innerhalb der PSD-Datei. Bei der Multiplikation dieser Werte kann ein Integer-Überlauf auftreten. Vereinfacht gesagt rechnet das Programm mit Zahlen, die größer werden, als der vorgesehene Zahlenbereich erlaubt. Das Ergebnis wirkt anschließend kleiner oder anders als erwartet. Wenn GIMP danach Speicher für die Dekodierung der Bilddaten verwendet, passt die angenommene Größe nicht mehr zur tatsächlich benötigten Größe.

Aus diesem Rechenfehler wird ein heap-basierter Pufferüberlauf. Der Heap ist ein Speicherbereich, in dem Programme Daten zur Laufzeit ablegen. Schreibt ein Programm dort über den vorgesehenen Bereich hinaus, kann es abstürzen. In schweren Fällen lässt sich der Speicherzustand so beeinflussen, dass eingeschleuster Code ausgeführt wird. Genau diese Kombination macht die Lücke gefährlich: Sie betrifft eine alltägliche Funktion und wird durch Daten ausgelöst, die Nutzer zunächst als gewöhnliche Bilddatei wahrnehmen.

Warum eine Vorschau schon reichen kann

Viele Sicherheitslücken in Bildverarbeitungskomponenten sind deshalb unangenehm, weil die Verarbeitung nicht erst beim bewussten Bearbeiten beginnt. Anwendungen erzeugen häufig Vorschaubilder, lesen Metadaten oder dekodieren Bildbestandteile, um Dateien schneller anzeigen zu können. Bei der beschriebenen GIMP-Schwachstelle liegt der kritische Moment beim Erstellen einer Vorschaubild-Miniaturansicht für eine speziell präparierte PSD-Datei.

Für Angreifer ist das ein vergleichsweise attraktiver Weg. Sie müssen keinen direkten Zugriff auf das System haben und keine gültigen Zugangsdaten besitzen. Es reicht, eine manipulierte PSD-Datei so zu platzieren oder zu versenden, dass sie auf einem Zielsystem mit GIMP verarbeitet wird. Das kann über E-Mail-Anhänge, Downloads, gemeinsame Projektordner oder andere Dateiablagen passieren. Entscheidend ist nicht der Transportweg, sondern die spätere Verarbeitung durch GIMP.

Der mögliche Schaden teilt sich in zwei Klassen. Beim Denial of Service stürzt GIMP ab oder wird unbenutzbar, sobald die fehlerhafte Datei verarbeitet wird. Das kann Arbeit unterbrechen und im schlimmsten Fall zu Datenverlust führen, wenn noch nicht gespeicherte Änderungen betroffen sind. Die zweite Klasse ist deutlich kritischer: beliebige Codeausführung. Dabei läuft Code im Kontext des betroffenen Nutzers. Welche Rechte dieser Code hat, hängt davon ab, mit welchen Rechten GIMP gestartet wurde.

Was Nutzer von Bildbearbeitung jetzt beachten sollten

Die Lücke zeigt einmal mehr, dass Bilddateien nicht automatisch harmlos sind. Moderne Formate enthalten strukturierte Daten, eingebettete Vorschaubilder und Kompressionsformate. Fehler in der Verarbeitung solcher Daten können dieselben Folgen haben wie Schwachstellen in Browsern oder Dokumentenbetrachtern. Wer regelmäßig PSD-Dateien aus externen Quellen erhält, sollte den Umgang damit vorübergehend besonders restriktiv handhaben.

Das gilt nicht nur für professionelle Grafikarbeitsplätze. Auch private Nutzer öffnen PSD-Dateien aus Vorlagenpaketen, Design-Downloads oder Online-Communities. Gerade dort ist schwer einzuschätzen, wer eine Datei erstellt hat und ob sie unverändert weitergegeben wurde. Verdächtig sind nicht nur ausführbare Dateien, sondern auch Dokumente und Medienformate, die komplexe Parser in Anwendungen anstoßen.

Praktisch hilft eine Mischung aus Aktualisierung, Vorsicht und sauberer Arbeitsweise. GIMP sollte nicht mit erhöhten Rechten laufen, da eine mögliche Codeausführung sonst mehr Schaden anrichten kann. Dateien aus unbekannten Quellen sollten zunächst isoliert behandelt werden. Wer PSD-Dateien beruflich austauscht, kann außerdem prüfen, ob sich der Workflow kurzfristig auf vertrauenswürdige Quellen und klar benannte Projektdateien beschränken lässt.

Für Anwender ergeben sich daraus einige naheliegende Schritte:

  • GIMP über die gewohnte Paketverwaltung oder den offiziellen Update-Kanal aktuell halten.
  • PSD-Dateien aus unbekannten Quellen nicht ungeprüft öffnen oder in GIMP importieren.
  • GIMP nicht mit Administratorrechten oder vergleichbaren erhöhten Rechten starten.
  • Unverzichtbare PSD-Dateien vor der Verarbeitung in einer getrennten Umgebung testen.
GIMP-Lücke: Präparierte PSD-Datei kann Code ausführen
Tom Ziegler 17. September 2026
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