Eine Schwachstelle in weit verbreiteter Sicherheitssoftware kann ausgerechnet den Schutzmechanismus selbst zum Problem machen: Betroffen sind Norton Antivirus, Avast Antivirus und AVG Anti-Virus. Laut Warn- und Informationsdienst des BSI kann ein lokaler Angreifer die Lücke ausnutzen, um Dateien zu löschen und höhere Zugriffsrechte zu erlangen. Das klingt zunächst weniger dramatisch als ein Angriff aus dem Internet, ist aber für private Rechner und gemeinsam genutzte Systeme relevant. Wer bereits Zugriff auf ein Benutzerkonto hat oder Schadsoftware lokal ausführen kann, bekommt damit potenziell einen Hebel, um tiefer ins System einzugreifen.
Wenn Schutzsoftware mit hohen Rechten arbeitet
Antivirenprogramme sind keine gewöhnlichen Anwendungen. Sie überwachen Dateien, prüfen Prozesse und greifen an vielen Stellen ein, an denen normale Programme wenig zu suchen haben. Genau diese Nähe zum System ist notwendig, damit sie Schadcode erkennen und blockieren können. Sie macht Fehler aber auch empfindlicher: Eine Schwachstelle in einer Sicherheitskomponente kann Folgen haben, die über einen einfachen Programmabsturz hinausgehen.
Im gemeldeten Fall geht es um eine lokale Schwachstelle. Ein Angreifer muss also bereits auf dem betroffenen Rechner agieren können. Das kann ein missbrauchtes Benutzerkonto sein, ein eingeschränkter lokaler Zugang oder Schadsoftware, die schon auf dem System läuft. Die Lücke ermöglicht das Löschen von Dateien und eine Privilegieneskalation. Letzteres bedeutet: Aus einem Zugriff mit begrenzten Rechten kann ein Zugriff mit weitergehenden Rechten werden.
Für Anwender ist vor allem die Kombination heikel. Das Löschen von Dateien kann Programme beschädigen, Einstellungen zerstören oder Sicherheitsfunktionen beeinträchtigen. Höhere Rechte wiederum können einem Angreifer helfen, Änderungen vorzunehmen, die einem normalen Benutzerkonto nicht erlaubt wären. Damit wird aus einer lokalen Schwachstelle ein Baustein für eine größere Angriffskette.
Betroffen sind drei bekannte Produktlinien
Genannt werden drei Produkte: Norton Antivirus, Avast Antivirus und AVG Anti-Virus. Alle drei gehören zu den bekannten Namen im Consumer-Sicherheitsmarkt und laufen typischerweise auf privaten Windows-Systemen, Familien-PCs oder Notebooks. Gerade dort ist lokale Zugriffskontrolle oft schwächer als in Firmenumgebungen: Mehrere Personen nutzen denselben Rechner, Programme werden mit wenigen Klicks installiert, und Warnmeldungen gehen im Alltag leicht unter.
Die Schwachstellenklasse ist nicht mit einer klassischen Phishing-Mail gleichzusetzen, bei der ein Link genügt. Der Angriff setzt lokalen Zugriff voraus. Trotzdem sollte man solche Meldungen nicht als harmlos abtun. Viele Angriffe bestehen aus mehreren Schritten: Erst landet Schadsoftware über einen Download, einen Anhang oder ein manipuliertes Installationspaket auf dem Gerät. Danach sucht sie nach Möglichkeiten, mehr Rechte zu erhalten. Eine Schwachstelle in einem Sicherheitsprogramm ist dafür besonders attraktiv, weil diese Software ohnehin tief ins Betriebssystem eingebunden ist.
Auch das Löschen von Dateien ist mehr als reine Sabotage. Werden gezielt Dateien entfernt, kann das Anwendungen lahmlegen oder Prüfmechanismen stören. Im schlimmsten Fall lässt sich ein System dadurch in einen Zustand bringen, in dem Schutzfunktionen nicht mehr sauber arbeiten oder Nutzer Fehlverhalten nicht sofort zuordnen können.
Was Nutzer jetzt prüfen sollten
Für Privatnutzer ist der wichtigste Schritt, die installierte Sicherheitssoftware aktiv zu prüfen und Aktualisierungen einzuspielen. Antivirenprogramme aktualisieren sich zwar meist automatisch, verlassen sollte man sich darauf aber nicht blind. Gerade Laptops, die lange ausgeschaltet waren, selten online sind oder nur sporadisch genutzt werden, können hinterherhinken.
Wer Norton Antivirus, Avast Antivirus oder AVG Anti-Virus nutzt, sollte außerdem überlegen, wie viele lokale Benutzerkonten auf dem Gerät existieren und welche davon erweiterte Rechte besitzen. Ein Alltagskonto mit eingeschränkten Rechten reduziert nicht jede Gefahr, nimmt Angreifern aber unnötige Möglichkeiten. Auch unerklärliche Dateiverluste, beschädigte Programme oder ungewöhnliche Meldungen der Sicherheitssoftware verdienen Aufmerksamkeit.
Empfehlenswert ist ein kurzer Sicherheitscheck auf den betroffenen Geräten. Der Aufwand ist gering, kann aber verhindern, dass eine lokale Lücke Teil einer größeren Kompromittierung wird.
- Öffnen Sie Norton, Avast oder AVG und starten Sie die Update-Funktion manuell.
- Prüfen Sie, ob auf dem Rechner unnötige Benutzerkonten mit erweiterten Rechten existieren.
- Starten Sie nach Updates einen vollständigen Systemscan.
- Beobachten Sie ungewöhnliche Dateilöschungen oder Fehlermeldungen der Schutzsoftware.